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"Was kann ich noch tun

gegen die Armut auf der Welt,

wenn ich nicht mehr bin?"

 

Ihren Namen kennen wenige in Ihrer Heimat. Und doch war sie ein Kind ihrer Stadt. Konstanz am Bodensee – für Margarete Kupka nicht nur Heimat, sondern auch Sehnsuchtsort, Fundament und roter Faden in ihrem Leben. 

Ein wenig war sie wie die Stadt aus der sie kam: klein aber weltoffen, eigensinnig aber herzlich. Es lag ihr viel daran, einen Teil zur Bekämpfung von Ungerechtigkeit und Ungleichheit in der Welt beizutragen und Menschen ohne Chancen zu helfen. Sie entschied sich dafür, ihr gesamtes Vermögen in Form von hohen Barbeträgen und Mietshäusern zur Gründung einer Stiftung für Hilfsprojekte in Afrika zur Verfügung zu stellen. 

 

Das Leben Margerete Kupkas beginnt 1923 mit einem Schicksalsschlag. Ihre Mutter Anna Beha stirbt bei der Geburt. Die Schwester der Mutter, Elsa Etspüler, übernimmt sofort die Verantwortung für das Kind und kümmert sich um den erschütterten Vater Emil Beha, Redakteur bei der Lokalzeitung „Südkurier“. Aus der Vernunftbeziehung entwickelt sich schnell Zuneigung. Emil Beha heiratet Elsa. Margarete wächst liebevoll und wohl behütet in bürgerlichen Verhältnissen im Konstanzer Stadtteil Wollmatingen auf. Emil Behas Tätigkeit als Redakteur beim Südkurier hat Einfluss auf Margaretes Erziehung. Im Hause Beha wird viel und gerne über Themen diskutiert, die die Welt, auch über die Kleinstadt hinaus, bewegen.

 

Gut zu Fuß am See entlang

Nach der Schulzeit macht sie eine Ausbildung zur Sekretärin und lebt ein eher zurückgezogenes Leben. Sie verfolgt mit Begeisterung Sportereignisse, genießt die Natur, lange Spaziergänge und Wanderungen in der Region Bodensee. Bewegung, Gesundheit und „gut zu Fuß“ zu sein sind ihr sehr wichtig.

 

Ihren Ehemann Ernst Kupka lernt sie erst mit Anfang 40 kennen. Sie heiratet und zieht 1968 zu ihm. Mannheim ist zwar nicht die Stadt ihres Herzens, aber die Stadt ihrer Lebensliebe. Wurzeln schlagen kann sie dort nicht. Täglich lässt sie sich ein Stück Heimat in die Kurpfalz liefern – ohne „Südkurier“ kann der Tag nicht beginnen. So bleibt sie über Jahre mit ihrer Stadt verbunden, auch über die Distanz hinweg.

 

Nach dem unerwarteten Tod von Ernst im Jahr 1997 endet für Margarete das Kapitel Mannheim abrupt. Vom Verlust ihres Mannes getroffen, schließt sie die Tür der Wohnung in Mannheim ab und kehrt Hals über Kopf in ihre Heimatstadt zurück. Die Wohnung in Mannheim betritt sie ihr Leben lang nicht wieder. Sie zieht in die Wohnung ihrer Stiefmutter Elsa Beha und findet dort die Ruhe und die Wurzeln, die sie in Mannheim vermisst hatte. Ausgiebige Spaziergänge am See helfen ihr über den Verlust des Mannes hinweg zu kommen.

 

Was kann ich Gutes tun?

Margarete bleibt alleine. Sie ist mit sich selbst zufrieden, lebt sparsam, hält sich fit durch viel Bewegung, manchmal gönnt sie sich ein schönes Kleid oder einen Urlaub. Sie achtet sehr auf ihr Äußeres, Luxus braucht sie aber nicht. Bis zu deren Tod kümmert sie sich aufopfernd um ihre Tante Elsa. Sie möchte zurückgeben, was sie ihr geschenkt hat. Die große Fürsorge und die Aufopferung ihrer Stiefmutter prägen Margaretes Leben. In Ihr wächst der Wunsch, in der Welt Spuren zu hinterlassen – Gutes zu tun. Sie möchte Menschen helfen, denen es schlecht geht. Mit großem Interesse verfolgt sie die politischen Ereignisse in der Welt und empfindet besonders viel Empathie für die Opfer des Ruanda-Konflikts Ende der 1990er Jahre. Die Kriege, Hungersnöte und Katastrophen in Afrika bewegen sie. 

 

In ihren letzten Jahren lebt Margarete Kupka zunehmend zurückgezogen. Dennoch ist sie weiterhin an Menschen und deren vielfältigen Lebensgeschichten interessiert. Ihre Geburtstage feiert sie mit wenigen Verwandten und Bekannten, stellt viele Fragen, hört zu, ist nie wertend und sehr besonnen. Manchmal nimmt sie andere und sich selbst auf die Schippe. Ihr verschmitztes Lächeln steckt an. Mit Ernsthaftigkeit aber verfolgt sie Ereignisse in der dritten Welt. Speziell die Kinder und Menschen ohne Perspektiven liegen ihr am Herzen. Zuletzt beschäftigt sie eine Frage mehr und mehr: „Was kann ich noch Gutes tun, wenn ich nicht mehr bin?“

Maragrete Kupka starb am 16.12.2016 in Konstanz.